Lesen statt Strafe / Leseauflage

Als Alternative zu einer Arbeitsauflage (im Bereich bis 20 Arbeitsstunden) entwickelten wir in Kooperation mit den beiden Jugendgerichtshelfern das Projekt „Lesen statt Strafe“.

Das Konzept richtet sich an jugendliche und heranwachsende Ersttäter im Bereich der Bagatellstraftaten.

Über das Angebot von jugendgerechter Literatur an delinquente Jugendliche und Heranwachsende versuchen wir, einen Zugang zum sozialen und familiären Umfeld der jungen Menschen zu finden und somit das gegenseitige Verstehen zu fördern. Die Klienten sollen in Kontakt zu altersgerechter Literatur kommen, die sich mit ihren Sorgen, Problemen, Lebenswelten, aber auch mit „ihren“ Straftaten aus einem anderen Blickwinkel auseinandersetzt. Dabei sollte ein enger Bezug des Buches zur Straftat oder zu den Lebenswelten des jungen Menschen bestehen.

Zur Durchführung des Projektes haben wir altersgerechte Bücher angeschafft, die sich mit Themen auseinander setzen wie z.B. Gewalt, Mobbing, Drogen, Diebstahl, erste Liebe, Probleme im Elternhaus etc.

Anhand der aktuellen Lebenssituation, der Straftat oder den Interessen der Jugendlichen wählen wir oder der Jugendgerichtshelfer ein Buch aus, welches der Jugendliche innerhalb einer gewissen Zeitspanne (angemessen sind ca. 3 Wochen) liest. Um einen Auseinandersetzungsprozess zu fördern, bekommen die jungen Leute Aufgabenstellungen zum Buch, die sie bearbeiten sollen. Im Rahmen einer Buchbesprechung (zwischen Jugendlichem und Pädagogen) soll dann ein Austausch darüber stattfinden, welchen Bezug das Buch zur Situation oder der Straftat des Jugendlichen bietet und welche Erfahrung das Lesen gebracht hat.          

Unabhängig von der Bearbeitung der Straftat wird den jungen Menschen über die Bücher eine „neue Welt“ eröffnet, die Phantasie und Vorstellungsvermögen anregen.